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In Wölfersheim-Berstadt, Wetteraukreis, wurde bei der Erschließung des Neubaugebietes „Über den Holdergärten“ im Jahr 2006 überraschend ein frühmittelalterliches Gräberfeld entdeckt. Der Reihengräberfriedhof mit annähernd 380 Gräbern aus der Zeit des späten 5. bis zur ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts wurde bis 2007 durch die Archäologische Denkmalpflege des Wetteraukreises in Zusammenarbeit mit der hessenARCHÄOLOGIE und der Gemeinde Wölfersheim ausgegraben.

Die KAL förderte in Kooperation mit der hessenARCHÄOLOGIE und der Archäologischen Gesellschaft in Hessen ein Forschungsprojekt zur Bearbeitung des Gräberfeldes in der Zeit von Mai 2016 bis April 2018. Im Rahmen dessen wurden die umfangreichen Funde und detaillierten Grabungsdokumentationen durch Dr. Eveline Saal untersucht und sollen nach Abschluss des laufenden Projektes zusammenfassend in einem detaillierten Katalog vorgelegt werden. Neben den archäologischen Untersuchungen ist zusätzlich die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern unterschiedlichster Fachdisziplinen (z. B. Anthropologie, Zoologie, Numismatik, Material- und Textilkunde) angelaufen und geplant.

Der umfassende Katalog wird künftig Fachwissenschaftlern die Möglichkeit geben, spezielle Themengebiete in eigenen weiterführenden Studien näher zu beleuchten, um einem der bedeutendsten Gräberfeldern Hessens und somit dem Leben der frühmittelalterlichen Siedler in der nördlichen Wetterau auf die Spur zu kommen.

Weitere Informationen finden Sie unter diesem Link.

 

Frauenbestattung mit Perlencollier
Wölfersheim-Berstadt: Frauenbestattung mit Perlencollier während der Ausgrabung 2007. (Foto: Archäologische Denkmalpflege Wetteraukreis)

Die KAL förderte zusammen mit der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen im Jahr 2016 die Aufnahme und Aufarbeitung der archäologischen Kleinfunde vom Marburger Schloss durch die Projektmitarbeiterin Dr. Eveline Saal. Bei der eindrucksvollen Großgrabung unter der Leitung von Dr. Christa Meiborg wurden in den Jahren 1989/90 im Sockelbereich des Westflügels mehrere Phasen einer Vorgängerburg aus der Zeit von 900 bis zum 12. Jahrhundert entdeckt. Insgesamt spannen die in den Siedlungsschichten geborgenen Fundobjekte einen zeitlichen Bogen von der frühesten Siedlungsphase der späten Karolingerzeit bis in die moderne Nutzungszeit des Landgrafenschlosses. Die Kleinfunde aus Metall, Glas, Keramik, Knochen und anderen Materialien wurden in einem Katalog, einer Datenbank sowie als Zeichnungen erfasst. Während der überwiegende Teil der Kleinfunde durch alltägliche und nützliche Gegenstände bestimmt wird, gibt es darunter aber auch Pretiosen: So etwa eine in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts datierende Schachfigur aus exotischem Elfenbein, die zu den höfischen Prestigeobjekten gezählt werden kann. Das Schachspiel war sicherlich den adeligen Burgbewohnern vorbehalten, die neben der Kenntnis der Spielregeln auch den Luxus der Freizeit besaßen.

Die Auswertung der Kleinfunde bildet einen Teil des großen Gesamtprojektes zum Marburger Schloss, das bis Ende 2021 abgeschlossen sein soll und einen großen Wissensgewinn zur Siedlungsgeschichte Marburgs erbringen wird (siehe Link).

Der Fokus dieses Promotionsvorhabens von Aika Katharina Diesch (Universität Bamberg) liegt auf archäologischen Ausgrabungen der Jahre 1985, 1987 und 1991, die im Bereich der heutigen St. Nazarius Kirche sowie des Kirchgartens und Friedhofs stattfanden. Bei den Auswertungen werden unter anderem die Vorgängerbauten der heutigen Kirche rekonstruiert. Des Weiteren wird die Lokalisierung des Klosters Rothaha überprüft.

Daneben werden Hypothesen zu den damaligen Lebensverhältnissen entwickelt. Schließlich werden darüber hinaus die Aussagen aus historischen Quellen denen der archäologischen Fund- und Befundauswertung gegenüber gestellt.
Dieses Promotionsvorhaben wird momentan bis Ende September 2020 durch ein Stipendium der hessenARCHÄOLOGIE, der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen e.V., der Stadt Rödermark, der Archäologischen Gesellschaft in Hessen, der Sparkasse Dieburg und der HSE- Stiftung unterstützt.

Fliese (OR 1) mit Rundstempel in Würfelmusteranordnung
Fliese (OR 1) mit Rundstempel in Würfelmusteranordnung („Darstellung eines Tieres mit rückwärts gewandtem Kopf und aufgerissenem Maul. Über dem Rücken eine vegetabile Ranke.“) ca. 1160/80, aus Vorgängerbau der heutigen Kirche (Beschreibung: E. Schallmayer, Rödermark – Ober- Roden. Alte St. Nazarius-Kirche. In: E. Schallmayer/G. Weber, Mittelalterliche Bodenfliesen aus dem Kreis Offenbach. Studien und Forschungen. Neue Folge, Heft 17 (Offenbach am Main 2000), 37-54, hier: 44-45, 48; Foto: Diesch)
Fliese (OR 4) „mit Viertelsrond – Lilienstab mit Blattknospen“,
Fliese (OR 4) „mit Viertelsrond – Lilienstab mit Blattknospen“, Parallelfunde um 1230/hier 2. Drittel 13. Jahrhundert, aus Vorgängerbau der heutigen Kirche (Beschreibung: E. Schallmayer, Rödermark – Ober-Roden. Alte St. Nazarius-Kirche. In: E. Schallmayer/G. Weber, Mittelalterliche Bodenfliesen aus dem Kreis Offenbach. Studien und Forschungen. Neue Folge, Heft 17 (Offenbach am Main 2000), 37-54, hier: 47-49; Foto: Diesch)

Seit 2016 wird von der KAL die flächige Auswertung der LiDAR-Scans des Landkreises Fulda durch Christian Lotz unterstützt. Hierdurch konnten mehrere hundert Geländedenkmäler von der Steinzeit bis zum Kalten Krieg neu entdeckt und aufgenommen werden, wozu auch ein Lagerplatz der Federmesser-Gruppen, mehrere befestigte Höhensiedlungen, Wüstungen der Frühneuzeit sowie Stellungen und Gefechtsplätze aus den ersten Tagen des Aprils 1945 zählen. Zudem wurde das Projekt zum Anlass genommen, um den für seine urnenfelderzeitliche Befestigung bekannte Haimberg bei Fulda-Haimbach und dessen Umfeld in einer umfangreichen Arbeit vollständig neu aufzuarbeiten.

Auch im Jahr 2019 hat die Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen wieder zahlreiche Projekte organisatorisch und finanziell unterstützt. Das Spektrum beinhaltet dabei Projekte zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuches ebenso wie strukturelle Aufgaben sowie die Unterstützung von in Hessen forschenden Institutionen.

Die KAL hat in den Jahren 2017 und 2018 die Ausgrabungen des Forschungszentrums der Keltenwelt am Glauberg unterstützt.

Dank der KAL und dem unermüdlichen Grabungsteam mit Studierenden aus Deutschland, den Niederlanden, Schweden, England, Wales, Irland und den USA gelang es, viel Neues zum Glauberg heraus zu finden, aber auch neue Fragen im Zusammenhang mit der über 6000 Jahre alten Besiedlungsgeschichte dieses Berges zu stellen.

2017 wurde z.B. das Grab einer vor ca 2400 Jahren bestatteten Frau direkt unter einem nur wenige Jahre oder Jahrzehnte später errichteten Wall am Südhang des Glaubergs entdeckt.

Keltengrab unter dem Wall

Im Jahr 2018 widmete sich das Grabungsteam bislang nicht erklärbaren Strukturen in einigen Bereichen dieses Walls und konnte feststellen, dass es sich dabei um die Reste einer keltischen Drainage handelt, die nötig war, da an dieser Stelle der Boden zu feucht für die Errichtung des über 5 m hohen Erdwalls war.

Glauberg Grabungsteam 2018